Dienstag, 28. Februar 2012

"German Unemployment Obfuscation"

Deutsche Politiker werden nicht müde, ein deutsches Beschäftigungswunder zu konstatieren, sich dafür kräftig auf die Schultern zu klopfen und das "deutsche Modell", nicht ohne Selbstgerechtigkeit, den Europäern als tugendhaften Weg anzuempfehlen, gestützt durch einen französischen Präsidenten, der sich Deutschland zum Vorbild nimmt, um den Franzosen Reformen zu versüßen, deren Erfolgsaussichten angeblich in Deutschland zu besichtigen seien. Dass Deutschland derzeit vom Elend anderer Staaten profitiert, weil das dort abgezogene Anlagekapital Deutschland rekordverdächtig niedrige Zinsen am Anleihemarkt beschert, wird gerne unerwähnt gelassen. Und wie es allen europäischen Ländern besser gehen soll, wenn sie das "deutsche Modell" kopieren, das nicht zuletzt darauf beruht, einen großen Niedriglohnsektor auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen, der im Wettbewerb auch mit den europäischen Nachbarn preislich Boden gut macht, bleibt schleierhaft. Denn wenn andere dieses Modell kopieren, schwinden die relativen Preis- und Wettbewerbsvorteile der Deutschen wohl wieder dahin.

In anderen Ländern zieht das deutsche Beschäftigungswunder und das dahinter stehende "Modell" verständlicherweise Aufmerksamkeit auf sich. In einem lesenswerten Artikel auf "Zerohedge", einem großen New Yorker Blogprojekt kritischer Investoren, setzt sich Wolf Richter mit der "deutschen Verschleierung der Arbeitslosigkeit" auseinander. Wer des Englischen mächtig ist, dem sei die Lektüre dieses Artikels empfohlen. Einen ganz anderen, mit dem Grundeinkommen operierenden Ansatz zur Bewältigung der derzeitigen Verwerfungen in Europa entwirft der Betreiber (Journalist) des französischen Blogs "Tête de Quenelle", ebenfalls lesenswert und in Englisch, wenngleich die Idee äußerst skizzenhaft bleibt: "A message of Hope for the Greek People: the case for a basic income".